Georg Kaiser, Geschäftsführer der BIO COMPANY, denkt laut.
Die Kolumne
Meine Kolumne in unseren Monatsflyern und hier im Web wurde von Partnern und Kunden gern aufgegriffen und war öfter Anlass für längere, fruchtbare Diskussionen auch innerhalb des Unternehmens BIO COMPANY.
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Hier nun die aktuellen Themen 2013:
Brauchen wir mehr Mut zur Lücke?
Liebe Kundinnen, liebe Kunden!
Wer heute in Deutschland Lebensmittel einkauft, findet zu jeder Tageszeit volle Regale und das ganze Jahr über Angebote aus aller Welt vor.
Für viele Konsumenten ist diese immer lücken-
lose Verfügbarkeit von allem ein Normalzustand geworden, den sie wie selbstverständlich
in Anspruch nehmen.
Die aktuelle Diskussion über nachhaltigen Konsum lässt jedoch zunehmend Zweifel an derartigen Selbstverständlichkeiten aufkommen.
Immer mehr Menschen fragen sich, was es uns ökologisch kostet, die Jahreszeiten beim Essen außer Kraft zu setzen, was mit all dem Brot geschieht, das selbst kurz vor Ladenschluss
noch dicht an dicht die Regale füllt oder wie es sein kann, dass plötzlich jede Menge Bio-Eier
bei den Discountern verfügbar sind, obwohl die Zahl der bäuerlichen Ökobetriebe in Deutschland doch kaum steigt!
Unbequeme Fragen, die an der glatten Konsumfassade kratzen, die sich aber natürlich nicht nur im konventionellen Bereich stellen. Ob es denn beispielsweise sein muss, Gemüse und Obst
von weither anzubieten, nur weil die regionalen Alternativen noch keine Saison haben, ist auch in der BIO COMPANY kein abschließend diskutiertes Thema.
Sorge macht uns auch die riesige Brotmenge, die hierzulande täglich in der Tonne landet. Bei unserem Backwarenangebot setzen wir deshalb neben der Wertschätzung unserer Kunden für handwerklich hergestelltes Brot auch auf ihr Verständnis, dass das jeweilige Lieblingsbrot nicht zu jeder Tageszeit frisch vorrätig sein kann. Und
damit nichts verschwendet wird, geben wir Brot
vom Vortag günstiger ab und verteilen das übrige
zum Beispiel mit Hilfe der gemeinnützigen Alternative foodsharing.de!
Und selbst wenn der nächste Skandal um angebliche Bio-Eier uns wieder die Regale mit den echten
leerfegt: Wir werden den selbstständigen regionalen Kleinbetrieben, die uns zuverlässig beliefern,
die Treue halten! Auch das kann uns und Ihnen "Mut zur Lücke" abverlangen. Denn achtsam und vertrauenswürdig hergestellte Biolebensmittel sind nun mal nicht beliebig verfügbar. Wenn die
einzige Alternative dazu aber "Massenbio per Mausklick" heißt, fällt uns die Entscheidung leicht!
Es grüßt Sie herzlich Ihr Georg Kaiser.
Die Widerkehr des verlorenen Geschmacks
Liebe Kundinnen, liebe Kunden!
Überall dasselbe Bild: Gleichförmige Paprikaschoten, schnurgerade Gurken, Tomaten in Einheitsgröße, schneeweißer Blumenkohl und ebenmäßige, zu Pyramiden stapelbare Äpfel! Wo hin man schaut, Einheitsobst und Standardgemüse: Zum Anbeißen schön, im Geschmack jedoch oft enttäuschend.
Woher kommt das? Und vor allem: Warum beschreibt dieser Steckbrief sogar Früchte aus dem Biomarkt? Einer der Hauptgründe dafür liegt in der Verbreitung von sogenanntem Hybridsaatgut. Es wird mittels Kreuzung aus verschiedenen Sorten gewonnen und hat die Kombination besonders erwünschter Merkmale zum Ziel; größere, robustere Früchte beispielsweise oder einheitliche Reife. Allerdings zwingt Hybridsaatgut die Bauern zum jährlichen Neukauf, weil die kurzfristig ertragssteigernden Eigenschaften schon in der zweiten Generation solcher Hybridpflanzen verloren gehen und die Wiederaussaat daher unwirtschaftlich wäre. Überdies macht sich auf Hochleistung gezüchtetes Saatgut oft mit vergleichsweise faden Früchten bemerkbar.
Nun könnte man fragen, warum nicht wenigstens die Bio-Erzeuger auf anderes Saatgut ausweichen. Doch das ist heute leichter gesagt als getan. Zu lange ist dem Siegeszug der Hybriden vom Profitinteresse und von gesetzlichen Zulassungskriterien, die Hybrid-Sorten bevorzugen, der Weg geebnet worden. Das hat dazu geführt, dass Hybriden jetzt auch im Öko-Anbau zwischen 60 und 100 Prozent der zugelassenen Sorten ausmachen.
Hybridsaatgut hat die alten, samenfest genannten Sorten und damit die genetische Vielfalt unserer Nutzpflanzen weitgehend verdrängt. Dabei haben solche Sorten aus Sicht der Bauern und der Konsumenten entscheidende Vorteile. Sie sind anpassungsfähiger, behalten ihre Eigenschaften über viele Generationen und liefern fortpflanzungsfähiges Saatgut. Die Pflanzen sind vielgestaltiger und ihre Früchte aromatischer. Allen genannten Barrieren zum Trotz schließen sich deshalb immer mehr Erzeuger zur Förderung samenfester Sorten zusammen, beispielsweise in Vereinen wie dem Kultursaat e. V.! Ihrem "kulinarischen Widerstand" ist es zu danken, dass die BIO COMPANY heute wieder Brot aus samenfesten Getreidesorten, eine wohlschmeckende Möhrensorte wie die "Rodelika" und andere Qualitätsprodukte aus alten und neuen samenfesten Sorten anbieten kann.
Fragen Sie uns bei Ihrem nächsten Einkauf danach und schließen Sie sich so der Bewegung für Saatgutfreiheit und mehr Geschmack an!
Es grüßt Sie herzlich Ihr Georg Kaiser.
Vor ökologischen Trittbrettfahrern wird gewarnt
Liebe Kundinnen, liebe Kunden!
Was bedeutet es, wenn auf Lebensmitteln Hinweise wie "artgerecht", "regional" oder "fair" auftauchen? Sind damit prinzipiell nachprüfbare und tatsächlich kontrollierte Anforderungen verbunden, so wie bei zertifizierter Bioqualität? Die Antwort auf diese Frage ist leider kompliziert!
Für sich genommen haben nämlich weder die drei genannten noch sinngemäß verwandten Begriffe den Status gesetzlich geschützter Kennzeichnungen. Zugleich aber zeigen Umfragen, dass sie bei vielen Konsumenten trotzdem höher im Kurs stehen als "bio" und sogar nicht selten unbesehen gleichgesetzt werden!
Weil das auch konventionelle Erzeuger wissen, ist es wenig verwunderlich, wenn neuerdings Bezeichnungen wie "geprüfte Haltung" und "von hier" oder Verweise auf angeblich "faire Erzeugerpreise" wie Pilze aus dem Boden schießen.
Statt aufwendiger Zertifizierung den bloßen Anschein ökosozialer Verantwortung zu erwecken, ist nicht nur ein zulässiger Trick, sondern leider auch einer mit guten Erfolgsaussichten! Und ich fürchte, weder das soeben vom Tierschutzbund eingeführte Zeichen für etwas mehr Tierschutz in der industriellen Haltung noch das von Ministerin Aigner geplante Regionalsiegel werden dieser geschickten Vernebelungstaktik die Basis entziehen.
Doch selbst für erfahrene Biokunden ist nicht immer leicht zu durchschauen, wie viel Fairness und Klimaschutz ein bestimmtes Produkt auszeichnen. Biosiegel garantieren zwar art- oder besser tiergerechte Haltungsformen, zumal, wenn es sich um das Siegel eines der anerkannten Bioverbände handelt. Nachhaltig definierte Anforderungen an Regionalität oder fairen Handel sind mit ihnen aber nicht automatisch verbunden.
Einmal mehr steht die Biobranche damit vor der
Herausforderung, sich aus eigener Kraft und mit eigenen Mitteln als Siegelbewahrer echter Nachhaltigkeit zu erweisen, ohne dabei nennenswert auf politischen Rückenwind hoffen zu dürfen. Trotzdem braucht sie starke Verbündete, um ökologischen Trittbrettfahrern aus der Agrar- und Lebensmittel-Industrie und untauglichen Kompromissen bei der Kennzeichnung von Tier-
schutz oder Herkunft eine klare Absage zu erteilen!
Und deshalb hoffe ich, Sie als Kundinnen und Kunden der BIO COMPANY sind dabei an unserer Seite!
Es grüßt Sie herzlich Ihr Georg Kaiser.
Bio-light ist auf Dauer zu wenig!
Liebe Kundinnen, liebe Kunden!
Als 2001 das sechseckige staatliche Biosiegel bei uns eingeführt wurde, war damit neben hochgesteckten Zielen auch Kritik verbunden. Seither hat das Gütezeichen, das als Mindeststandard die Einhaltung der EU-Richtlinien für den ökologischen Landbau signalisiert, vielen konventionellen Erzeugern den Einstieg in die Produktion von Biolebensmitteln erleichtert und zugleich breitere Bevölkerungsschichten zum Kauf derselben motiviert.
Doch die Hoffnung, das Siegel könnte zugleich zum Markenzeichen einer gelungenen Agrarwende werden, hat sich nicht erfüllt. Zu viele Kompromisse und Regelungen, die teils weit hinter den viel strengeren Richtlinien der Bioverbände wie Bioland, Naturland oder Demeter zurückbleiben, haben der EU-Ökoverordnung die Bezeichnung "Bio light" eingetragen.
Zu Recht, meine ich! Erzeuger können damit vom Bioboom profitieren, ohne den Mehraufwand der echten "Überzeugungstäter" auf sich zu nehmen. Zu den weitergehenden Zielen des Ökolandbaus tragen sie damit so gut wie nichts bei.
Die EU-Öko-Verordnung erlaubt es konventionell arbeitenden Landwirten, ihren Hof nur teilweise auf ökologischen Landbau umzustellen. Bio-Anbauverbände lehnen eine solche Teilumstellung aus gutem Grund ab. Für sie ist Ökolandbau nur als ganzheitliches Konzept vernünftig, bei dem der komplette Hof nach ökologischen Prinzipien betrieben wird.
Nur so lassen sich geschlossene Betriebskreisläufe verwirklichen, wo Mist und Gülle Flächen düngen, auf denen Tierfutter ebenso wie Rohstoffe für Lebensmittel wachsen und wo die Zahl der Tiere auf dem Hof in einem tragfähigen Verhältnis zur Größe der Wirtschaftsfläche steht. Nur so können sich neben hoher Produktqualität auch positive Effekte einstellen, die uns allen zugute kommen, wie zum Beispiel die Erhaltung von Bodenfruchtbarkeit und Biodiversität!
Ich bin deshalb überzeugt, dass es richtig ist, den wirtschaftlichen Mehraufwand der Bioverbandsmitglieder zu honorieren. Ihren Waren gebe ich im Sortiment der BIO COMPANY so oft wie möglich den Vorzug. So stimmen Sie mir mit jedem Kauf dieser – zwangsläufig etwas teureren – Produkte zu. Dass die Politik Sie jedoch damit allein lässt, den Preis für die besonderen Leistungen der Verbands-Bioerzeuger zu bezahlen, sollten Sie ihr nicht länger durchgehen lassen!
Es grüßt Sie herzlich Ihr Georg Kaiser.
Doch. Bio ist besser!
Liebe Kundinnen, liebe Kunden,
immer wieder rauschen Nachrichten durch den medialen Blätterwald, die den Nutzen von Bioprodukten in Zweifel ziehen. Jüngstes Beispiel: Im Herbst 2012 kam eine von Medizinern in den USA durchgeführte Studie zu dem Schluss, Bio-Lebensmittel seien gar nicht gesünder als konventionelle!
Dieser Befund hat auch hierzulande in vielen Medien als ernst zu nehmendes Expertenurteil Schlagzeilen gemacht. Eine kritische Auseinandersetzung mit dem geringen Erkenntniswert, den die fraglichen Studienergebnisse liefern, fand allerdings kaum statt. Dass man von einer Diät aus Buttercremetorte auch dann nicht gesünder wird, wenn sie aus dem Bioladen stammt, wussten wir schon. Ein gesundheitsfördernder Effekt von Ernährung stellt sich eben nicht allein dadurch ein, dass man Bio kauft. Eine markerschütternde Neuigkeit ist das wohl kaum! Und dass der Apfel aus Bioanbau nicht unbedingt mehr Vitamine enthält als einer von der gleichen Sorte aus konventionellem Anbau, mag ja sein.
Die gesundheitlich viel interessantere Frage wäre aber doch, ob der konventionell erzeugte Apfel womöglich giftiger ist als sein Biopendant! Dass es in konventionellen Lebensmitteln tatsächlich oft deutlich höhere Pestizidrückstände gibt als bei ökologisch erzeugten, leugnet die erwähnte Studie zwar nicht. Dass die einzuhaltenden Grenzwerte nur pro Pestizid gelten, dass deshalb konventionelle Obst- und Gemüseanbauer oft eine Vielzahl unterschiedlichster Pestizide spritzen und dass bisher kaum untersucht ist, wie so ein Spritzmittel-Cocktail auf die Gesundheit wirkt, kam in der Mehrzahl der Berichte aber mit keinem Satz vor!
Zur besseren Wahl für Gesundheitsbewusste werden Biolebensmittel übrigens auch dadurch, dass sie weniger mit Antibiotika-Rückständen belastet sind und weniger Zusatzstoffe enthalten. Ich bin sicher, Sie als Kunden der BIO COMPANY kennen diese Zusammenhänge und lassen sich durch irreführende Stimmungsmache gegen Bio wenig beeindrucken. Ich hoffe aber, Sie werden mir zustimmen, dass wir Wissenschaftlern halbgare Fachurteile vom Kaliber "Bio ist nicht gesünder!" nicht unwidersprochen durchgehen lassen sollten. Genauso wenig wie Journalisten eine derart unkritische Berichterstattung zum Thema!
Es grüßt Sie herzlich Ihr Georg Kaiser.

