Vorname:
Nachname:
Geschlecht: männlich weiblich
E-Mail:

Georg Kaiser, Geschäftsführer der BIO COMPANY, denkt laut.

Die Kolumne

Meine Kolumne in unseren Monatsflyern und hier im Web wurde von Partnern und Kunden gern aufgegriffen und war öfter Anlass für längere, fruchtbare Diskussionen auch innerhalb des Unternehmens BIO COMPANY.

Archiv der Kolumne 2011 hier klicken
Archiv der Kolumne 2012 hier klicken
Archiv der Kolumne 2013 hier klicken

Hier nun die aktuellen Themen 2013:

Biolandbau ist keine Insel der Seligen

Liebe Kundinnen, liebe Kunden!

"Es kann der Frömmste nicht im Frieden bleiben, wenn es dem bösen Nachbar nicht gefällt!" lässt Schiller Wilhelm Tell dem Feldschützen entgegnen, der im ruhigen Landleben allem Zwist entfliehen will. Seine Warnung fällt mir ein, wenn ich an das Nebeneinander von Biolandbau und Agrarindustrie denke.

Nun wird niemand konventionellen Betrieben Bosheit unterstellen noch Biobauern Heiligenscheine andichten. Doch ich glaube gern, dass friedlich bleiben schwerfällt, wenn es so böse läuft wie für 300 Kleinbauern in Brasilien: Deren komplette Biosoja-Ernte 2010 war unverkäuflich, weil sie durch den gewaltig gestiegenen Pestizideinsatz im benachbarten Gensoja-Anbau mit dem Insektengift Endosulfan belastet wurde.

Das Mittel ist jetzt verboten, darf aber noch für mehrjährige Übergangsfristen verwendet werden. Ökobauern finden aber nicht nur verbotene Pestizide bedenklich, die noch im Umlauf oder als Altlasten in der Umwelt sind. Auch jährlich steigende Mengen im konventionellen Landbau zugelassener Spritzmittel, vor allem des verbreiteten Totalherbizids Glyphosat, fördern nicht unbedingt den ländlichen Nachbarschaftsfrieden.

Biolandbau findet hierzulande fast immer in der Nähe konventionell bewirtschafteter Flächen statt, und weder Wind noch Wasser machen an Grundstücksgrenzen halt. Müssen wir also fürchten, dass der Pestizideinsatz der Agrarindustrie mehr und mehr zum Problem für den hiesigen Biolandbau werden und auch dessen Früchte belasten könnte?

Um diesbezüglich kontrollierte Sicherheit zu gewährleisten, führt der Bundesverband Naturkost Naturwaren (BNN), dessen Mitglied die BIO COMPANY ist, zusammen mit 24 Bio-Regionalgroßhändlern und Bio-Importeuren monatliche Laboruntersuchungen bei Obst, Gemüse und Kräutern durch. Seit der Einführung dieser "Monitoring" genannten Pestizidkontrolle blieb die weit überwiegende Zahl der Proben unbeanstandet! Geringste Verunreinigungen waren die Ausnahme, stammten fast immer aus der konventionellen Produktion und konnten im Weiteren vermieden werden. Als Kunden der BIO COMPANY können Sie daher jederzeit auf geprüfte Lebensmittelsicherheit und einwandfreie Bioqualität vertrauen!

Zu denken geben muss es uns trotzdem, dass sich die Labortester in letzter Zeit etwas häufiger Proben mit solchen minimalen Rückständen konfrontiert fanden. Es beweist erneut, wie gut die Politik daran täte, dem Ökolandbau, der gänzlich ohne Glyphosat und Co. auskommt, endlich ernsthaft Vorrang vor der spritzwütigen Agrarindustrie einzuräumen!

Es grüßt Sie herzlich Ihr Georg Kaiser

Save our soils - rettet unsere Böden!

Liebe Kundinnen, liebe Kunden!

Sturzflutartige Regenfälle, die auf ein Feld am Berghang niederprasseln, ein Sturm im Flachland, der in rasendem Tempo staubtrockenen Ackerboden aufwirbelt – das sind wahrlich "bewegende" Wetterereignisse. Wenn Wind und Regen auf offene Ackerflächen treffen, reißen sie fünf- bis zehnmal soviel fruchtbaren Boden mit sich fort, wie sich im Laufe eines Jahres neu bilden kann! Humusverlust durch Erosion ist zwar eine der stärksten Bedrohungen für die Bodenfruchtbarkeit, aber nicht die einzige. Nach Angaben der Welternährungsorganisation FAO haben agrarindustrielle Bewirtschaftungsformen weltweit bereits mehr als ein Drittel der Ackerböden dauerhaft verwüstet.

Jedes Jahr die immer gleichen Hochleistungskulturen auf großer Fläche, schwere Maschinen, die die Böden einerseits verdichten, andererseits aufwühlen und der Erosion preisgeben, große Mengen Pestizide und Kunstdünger, die das Bodenleben töten, so hat die natürliche Bodenfruchtbarkeit keine Zukunft! Und die rücksichtslose Zerstörung schreitet täglich weiter fort, auch in Deutschland.

Dieses wenig beachtete Geschehen ist es, worauf die Kampagne "Save Our Soils – Rettet unsere Böden" aufmerksam macht: Die Bodenfruchtbarkeit, die als Grundlage für die weltweite Ernährungssicherheit ein höchst schützenswertes Gemeingut sein sollte, ist längst zu einer stark gefährdeten Ressource geworden!

Die neue Bundesregierung täte deshalb gut daran, die Leistungen des ökologischen Landbaus für den Bodenschutz endlich anzuerkennen und viel besser zu fördern. Anders werden wir die Funktionen des Bodens als Wasser- und Kohlenstoffspeicher und die wichtigste Grundlage unserer Ernährung nicht erhalten können.

Diesen Zweck verfolgt auch eine Initiative, die den Bodenschutz wieder zum Kernthema im Biohandel machen soll. Die Veranstalter von vier großen Regionalmessen der Biobranche haben sich jetzt entschlossen, Biolandwirte der jeweiligen Regionen beim Humusaufbau ihrer Böden finanziell zu unterstützen, um damit den klimaschädlichen CO2-Ausstoß auszugleichen, den solche Branchentreffen verursachen.

Es grüßt Sie herzlich Ihr Georg Kaiser

Zum richtigen Essen führt kein Königsweg!

Liebe Kundinnen, liebe Kunden!

Viele Menschen verbinden heute mehr mit ihrer Ernährung als die Notwendigkeit zum Sattwerden. Was sie essen und mehr noch, was nicht, ist für sie auch Überzeugungs-Sache. Dabei haben die einen den Tier- und Naturschutz oder die faire Nutzung globaler Ressourcen im Blick, während es anderen besonders auf ganzheitliche Gesundheit und lebenslange Fitness ankommt.

Manche verzichten deshalb auf Fleisch oder folgen den strengeren Regeln der Veganer und beschränken sich beim Essen ausschließlich auf Pflanzen und Pilze. Andere lassen sich von Empfehlungen leiten, wie sie beispielsweise Hildegard von Bingen, die traditionelle chinesische oder die ayurvedische Ernährungslehre geben.

Mit letzteren habe ich selbst sehr gute Erfahrungen gemacht. Mein Anstoß dazu war eine Ayurveda-Kur. Zwei Wochen, in denen ich unter anderem eine nach Art der ayurvedischen Heilkunst auf meinen Typ und meine augenblickliche Lebensweise abgestimmte Ernährung ausprobieren konnte. Ihr Kern bestand in meinem Fall darin, Lebensmittel zu wählen, die ein "hitziges Pitta abkühlen" können. Flankiert von Yoga und Atemübungen ist der Erfolg dieser Umstellungen für mein Wohlbefinden so überzeugend ausgefallen, dass ich einen Großteil davon bisher beibehalte!

Ich weiß nun: Für mich ist ayurvedische Ernährung in vieler Hinsicht das Richtige! Als einzig wahren Ernährungsstandard, der für alles und jeden gleichermaßen gut und richtig sein muss, betrachte ich sie deshalb aber nicht. Was zum Beispiel heißt, dass ich Fleisch oder Fisch – ökologisch korrekte Herkunft natürlich vorausgesetzt – nicht gänzlich gestrichen habe, obwohl beides in streng ayurvedischen Speiseplänen nicht vorgesehen ist.

Denn auch das ist mir in diesen zwei Wochen klargeworden: Nicht die einzelnen Regeln einerbestimmten Ernährungsphilosophie sind entscheidend. Viel wichtiger ist, dass Achtsamkeit als übergeordnetes Prinzip wirkt! Darauf zu achten, welche Lebensmittel einem wirklich gut tun und zugleich bewusst nach ethischen und ökologischen Herstellungsbedingungen zu fragen, führt nämlich zwangsläufig weg von achtlosem Konsum.

Und jeder, der Schritte zu einem achtsamen Ernährungsstil tut, ob nun vegetarisch, ayurvedisch, vegan oder anders, ist auf dem besten Weg zum richtigen Essen!

Es grüßt Sie herzlich Ihr Georg Kaiser

Kleinbauern sind die Zukunft unseres Essens!

Liebe Kundinnen, liebe Kunden!

Theoretisch könnten Ökobauern halbwegs optimistisch in die Zukunft blicken: Hat die europaweite Bewegung für "Bauernhöfe statt Agrarfabriken" doch immerhin soviel Einfluss auf die Gemeinsame Agrar-Politik (GAP) in Brüssel gehabt, dass eine "grüne Wende" passable Startbedingungen hätte:

Jeder EU-Staat darf jetzt Agrargelder im eigenen Land neu verteilen.

Damit könnten endlich faire Bedingungen für Ökolandbau, lokale Lebensmittelproduktion, Artenvielfalt und Tierschutz geschaffen werden. Theoretisch, wie gesagt. Denn die Bundesregierung hat die Reform zwar mitbeschlossen, denkt aber nicht daran, die nötige Umverteilung der Subventionen auch umzusetzen!

Im Gegenteil! Wer hoffte, der Koalitionsvertrag könnte Bewegung in die Blockade bringen, wird enttäuscht: Internationale Investoren werden weiter mit staatlichen Subventionen in Millionenhöhe geradezu eingeladen, unsere heimischen Bauernhöfe durch Landraub, Megaställe und Monokulturen zu verdrängen.

Auch sonst läuft alles wie bisher: Die Agrarindustrie darf ohne Widerspruch Millionen Hektar Ackerland im Ausland belegen, nur um Tierfutter anzubauen. Jedes fünfte Masttier landet im Export; viele davon in Ländern, wo deutsches Billigfleisch lokale Bauernmärkte zerstört. Und nach wie vor sind keine international verbindlichen Regeln in Sicht, die den Börsenpoker um Nahrungsmittel beenden könnten.

Sollten die Lobbyisten von Monsanto und Co. ihre Interessen im derzeit mit den USA diskutierten Freihandelsabkommen durchsetzen, wird manches sogar schlimmer kommen. Gensaaten werden wir dann wohl kaum länger von uns fernhalten können. Im aktuellen Koalitionsvertrag ist die entsprechende Hintertür bereits offen gelassen: Selbst die bloße Absichtserklärung, deutsche Äcker gentechnikfrei zu halten, sucht man dort vergeblich!

Angela Merkel scheinen Genkartoffeln in ihrer Suppe egal zu sein. Mich dagegen bringt soviel agrarpolitische Verantwortungslosigkeit ziemlich in Rage und auf alle Fälle am 18. Januar zur 4. "Wir haben es satt"-Demonstration. Ich wäre sehr froh, Sie dabei an meiner Seite zu sehen!

In diesem Sinne grüßt Sie Ihr Georg Kaiser